Weichmacher / Phthalate

Als Weichmacher werden Stoffe bezeichnet, die zu einem Material gegeben werden um dessen Dehnbarkeit, Weichheit und Biegsamkeit für Verarbeitung und Gebrauch zu verbessern. 
Dabei gehen Weichmacher aber keine chemische Reaktion mit dem Material ein, sondern verändern es nur physikalisch. 
Selten wird ein Weichmacher alleine eingesetzt. Vielmehr werden die verschiedenen Typen entsprechend ihren Eigenschaften kombiniert. 
Den höchsten Marktanteil haben die als potentielle Gebäudeschadstoffe zu beachtenden Phtalate
Pflanzenchemiehersteller verwenden natürliche Weichmacher wie Lärchenharz oder Rizinusöl.

Phthalate (Phthalsäureester) sind 

  • farblose,
  • schwer flüchtige und
  • fast geruchlose Flüssigkeiten, die sich in Wasser nicht lösen.


Wegen ihrer vielseitigen Verwendung sind Phthalate nahezu überall anzutreffen. In Innenräumen gasen sie aus phthalathaltigen Produkten aus und lagern sich im Hausstaub ab.

Verwendung
Hauptanwendungsbereich der Phthalate ist die Kunststoffproduktion. 
Sie sind Ausgangs- und Zwischenprodukte bei der Herstellung und werden in großen Mengen als Weichmacher eingesetzt, vor allem in PVC-Produkten. 

Weichmacher werden in großen Mengen und in vielfältiger Weise in 

  • Kunststoffen,
  • Lacken, Anstrich- und Beschichtungsmitteln,
  • Dichtungsmassen,
  • Kautschuk- und Gummi-Artikeln
  • sowie in Klebstoffen eingesetzt.
  • Auch bei der Textilveredlung werden weichmachende Substanzen verwendet, um die Griffigkeit, Geschmeidigkeit und Scheuerfestigkeit zu verbessern. In Waschmitteln übernehmen Weichspüler diese Aufgabe.



Darüber hinaus dienen sie als 

  • fettfreie Schmiermittel,
  • Schaumverhütungsmittel,
  • Lösungsmittel,
  • als Trägerflüssigkeit in Pestiziden, Kosmetika und Parfüms
  • sowie als Insektenvertreibungsmittel.


Die am meisten verwendeten Phthalate sind DEHP (Di-2-ethyl-hexylphthalat, oft auch mit DOP für Dioctylphthalat bezeichnet) und DIDP (Diisodecylphthalat).

In Kinderspielzeug sind Phthalate seit kurzem verboten. 
Dazu ein Beitrag von Greenpeace:

EU verbietet Phtalate – ein erster, aber halbherziger Schritt
Jeder kennt sie aus den Regalen der Spielwarengeschäfte. Sie sind bunt, knautschig, und viele quietschen, wenn man sie drückt: Niedliche gelbe Quietscheentchen, Ernie aus der Sesamstraße oder Walt Disney’s Winnie the Pooh. 

Was man diesen süßen Spielgefährten nicht ansieht: Sie enthalten Substanzen, die Leber- Nieren- und Hodenschäden auslösen können. 
Auch ist nicht auszuschließen, dass sie krebserzeugend sind. 
Bei diesen Substanzen handelt es sich um die sogenannten Phthalate, Weichmacher, die PVC geschmeidig machen. 
Ohne Weichmacher wäre der Kunststoff hart und spröde. Leider lösen sich die Phthalate mit der Zeit aus dem PVC oder dünsten aus. 
Dies wird noch verstärkt durch mechanische Belastung, wie z.B. dem Drauf-Rumkauen und Dran-Nuckeln, wie Babys und Kleinkinder es gerne tun – ein Grund mehr, warum sie in Kinderspielzeug nichts verloren haben.

Das hat jetzt auch die EU eingesehen: Nachdem Greenpeace schon 1997 angeblich „unseriöse“ Analysenergebnisse (so die Chemieindustrie) vorlegte, die die Gesundheitsgefährdung der Kinder durch Phthalate bewiesen, bezeichnet nun auch die EU-Kommission die Weichmacher als „ernstes und unmittelbares Risiko“ für die Gesundheit von Kleinkindern. 
Nach langem Hin und Her und Zögern von Seiten weniger Länder (darunter auch Deutschland!)wurde Anfang Dezember 1999 ein Sofortverbot für Beiss-Spielzeug für Kinder unter drei Jahren verhängt.
Dieses Beiss-Spielzeug, z.B. Beissringe und Rasseln, macht nur etwa 10 bis 20% des Weich-PVC-Spielzeugs aus. 
Kleinkinder nehmen aber alles in den Mund, was in Reichweite ist, um darauf herumzukauen.
Wie soll man einem Kleinkind klarmachen, dass es zwar an dem dafür vorgesehenen Beissring herumnuckeln darf, nicht aber an dem netten, auch noch so lecker riechenden Winnie the Pooh? 
Dieses Sofortverbot, das später auch fester Bestandteil der dauerhaften Gesetzgebung werden soll, ist also für einen Schutz der Gesundheit von Kleinkindern unzureichend.
Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte auf weiches oder leicht flauschiges Kunststoffspielzeug verzichten. Manche Hersteller wie MAPA, Helly, Novatex, Continua, FASHY oder Mattel bemühen sich auch um freiwilligen Verzicht. Diese Spielsachen sind als „pvc-frei“ gekennzeichnet. 
Zum Beißen für zahnende Kleinkinder eignen sich übrigens auch ebenso gut Spielzeuge aus unbehandeltem Weichholz oder einfach nur rohe Karotten.


Gesundheitsgefährdung
Die folgenden Gesundheitsgefährdungen beziehen sich auf den Umgang mit dem Stoff in handelsüblicher Form. 
Im Wohnbereich tritt der Stoff in der Regel nur in Konzentrationen auf, bei denen diese Symptome nicht zu erwarten sind bzw. nur in sehr abgeschwächter Form auftreten. 

  • Entzündung der Haut
  • Gesundheitsschädlich beim Einatmen und Verschlucken.
  • Möglicherweise schädlich für das Kind im Mutterleib
  • Kann die Atemwege, Verdauungswege und Augen reizen: z.B. Brennen, Kratzen.
  • Kann die Haut reizen: z.B. Brennen, Jucken.
  • Kann möglicherweise die Fortpflanzungsfähigkeit beeinträchtigen.
  • Nervenschäden sind möglich, z.B. Krämpfe, Zittern, Lähmungen.
  • Schädigung der Nieren möglich.
  • Schwindel, Kopfschmerzen, Benommenheit bis zur Bewusstlosigkeit oder andere Hirnfunktionsstörungen können auftreten.


Phthalate und andere Weichmacher können durch Analysen von Raumluft-, Staub- oder Materialproben nachgewiesen werden. Oft reicht auch schon die eigene Nase oder ein Blick auf das Typenschild des Produktes. Wenn es aus Fernost kommt und aus PVC besteht, oder diesen Stoff enthält, dann ist Vorsicht geboten 

Uwe Dippold, Baubiologie Nürnberg

Gesund leben ohne Elektrosmog, Mobilfunkstrahlung, Wasseradern, Erdstrahlung, Raumluftschadstoffe wie Schimmelpilze und andere Wohngifte

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